Mühle im Baybachtal | © B. Vogt

09. Von Mühle zu Mühle im Baybachtal Sohns-Mühle

56281 Emmelshausen

Die Sohnsmühle, genannt auch "Basselscheider Bauernmühle" am Baybach gelegen, gehört zur Gemarkung Basselscheid und wird heute zu Freizeitzwecken genutzt.

Die Basselscheider Bauernmühle oder Sohns Mühle
Vor dem nächsten Anwesen, der Basselscheider Bauernmühle, auch Sohns Mühle genannt, macht uns ein Verkehrsschild stutzig: "Sackgasse" verkündet das Schild, kommen wir hier nicht mehr weiter? Aber wir stellen bald fest, dass der neue Besitzer sein Anwesen eingezäunt und den Wanderverkehr umgeleitet hat. Ihn störte es wohl, dass die Spaziergänger wie früher unmittelbar an seiner Haustür vorbeigingen.
So müssen wir über einen schmalen, aber nur kurzen Kraxelpfad in den Hang klettern und so die Mühle umgehen. Nach einem Mühlenverzeichnis aus dem Jahre 1809 standen hier zwei Mühlen, die „Alt-„ und „Neumühle“. Es ist jedoch nicht bekannt, ob die beiden Mahlwerke gleichzeitig in Betrieb waren oder ob es sich lediglich um einen Übergang von dem alten zu einer neuen Mühle handelte.

Der Wasserlauf des Baybaches wird immer stärker. Kaum zu glauben, dass aus dem kleinen Bächlein, das wir bei Hausbay gesehen haben, nach wenigen Kilometern ein so kräftiger Bach geworden ist. Aber die zahlreichen Nebenbäche, die von beiden Seiten herunterschießen, bringen eine Menge Wasser mit sich. Das Bachbett der Bay bietet sich immer wieder in anderer Form. Mal breit und flach, in dem das Wasser behäbig, fast lautlos in zahlreichen Windungen dahinfließt, dann aber ein schneller Fluss des Wassers, wenn es aufschäumend über die Felsenklippen rauscht. An dem bisher zurückgelegten Weg ist keine Einkehrmöglichkeit, so ist es gut, dass wir am Zusammenfluss von Eichels- und Baybach eine kleine Schutzhütte antreffen, wo wir eine kurze Rast einlegen.
Während wir ein kräftiges Schinkenbrot und einen guten Schluck zu uns nehmen, denken wir daran, was uns eine ehemalige Mühlenbewohnerin von dem mühseligen früheren Leben im Baybachtal erzählt hat.

Die alte Christine verbrachte ihre Kinder- und Jugendzeit im Tal und erinnert sich noch gut an den beschwerlichen täglichen Schulweg in das entfernte Dorf auf der Höhe, als sie sich über verschneite oder vereiste Pfade den Berg hoch kämpfen musste, ein andermal vom Regen durchnässt in der Schule ankam. Trotz aller Unbill hat sie nur selten den Unterricht versäumt. Aber es gab auch angenehme Schultage. Wenn im Sommer am Wegesrand die süßen Beeren reiften und zum Naschen einluden, dann waren die harten Wintertage vergessen.
Zahlreiche Heilkräuter wurden früher gesammelt, Schafgarbe, Schachtelhalm, Schlüsselblume und viele andere. In Bündeln wurden sie zum Trocknen unter dem Vordach des Hauses aufgehängt. Diese Heilkräuter waren die Hausapotheke und wurden in Krankheitsfällen bei Mensch und Vieh erfolgreich angewendet. Man kannte sich noch aus in der natürlichen Heilkunde, und die Menschen glaubten fest daran, dass „in Gottes Natur für jedes Weh ein Kräutlein wächst“. Von dem uralten Birnbaum auf dem Hof wurden die kleinen, süßen Früchte gesammelt und daraus nach altem Rezept das herzhafte Birnenkraut gekocht, das vor allem auf dem selbst gebackenen Brot ein köstlicher Aufstrich war. Und dann lächelt die alte Christine, als sie von dem „schrulligen, alten Patt“ erzählt. Das war der unverheiratete Onkel, der als Beisasse in der Familie lebte, sich den Tabak für seine selten ausgehende Pfeife selbst zog, die Reiserbesen band und aus Birnen- und Apfelscheiben im Backofen tagelang Dörrobst schmorte. Im Winter waren die Dörrscheiben eine beliebte Zusatznahrung, die dafür sorgte, dass in der Familie keine Verdauungsprobleme auftraten.
Nach diesem gedanklichen Ausflug in vergangene Zeiten schultern wir wieder den Rucksack und setzen unsere Wanderung fort, denn der Weg bis zur Mosel ist noch weit. Wir gehen nicht lange, dann führt uns der Pfad über Treppenstufen (Himmelsleiter genannt) in den Hang hoch, und auf einem ebenen Weg, etwa zwanzig Meter oberhalb des Baches, lässt es sich bequem dahinwandern. Nach einem knappen Kilometer werden wir in das von Liesenfeld herab kommende Hergesterbachtal geführt. Doch nicht weit, dann überqueren wir den kleinen Bach auf einem Holzsteg und erreichen dann über einige in die Böschung eingelegte Stufen den Weg, der wieder an unseren „treuen Begleiter“, den Baybach, zurückführt.

Ausschnitt aus dem Buch "von Mühle zu Mühle" eine Wanderung durch das Baybachtal, erhältlich für 9,00 Euro in der Tourist-Information Emmelshausen.

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Mühle im Baybachtal | © B. Vogt
Sohnsmühle | © T. Biersch

09. Von Mühle zu Mühle im Baybachtal Sohns-Mühle

56281 Emmelshausen
Basselscheider Bauernmühle
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